Geschichte

2017 DREI VEREINE WERDEN ZUM SV LAUTERTAL

Einen neuen Verein aus der Taufe zu heben ist ja bereits eine komplizierte Angelegenheit: Fristen und Formen müssen exakt eingehalten werden, sonst war alles Bemühen umsonst.

Noch schwieriger ist es jedoch, zwei alt-eingesessene Sportvereine, wie den SV Gomadingen und den SV Dapfen, in einen gemeinsamen Verein zu überführen, den beide aus der Not heraus, jeweils zu wenige Fußballspieler zusammenzubekommen für eine Mannschaft, zwar vor 25 Jahren ins Leben gerufen hatten - aber eben nur aus einer Not heraus. Jetzt also sollte die letzte Stunde geschlagen haben für den SVG und den SVD, weil's einfach zu viel Personal- und auch sonstiger Aufwand ist, drei Vereine mit nahezu identischen Aufgaben und Zielen nebeneinander her zu führen. Sämtliche zur Abstimmung gekommenen Mitglieder haben jetzt in der Sternberghalle Ja zur Verschmelzung mit dem FC Gomadingen-Dapfen gesagt, der sich in dem Zuge auch gleich noch einen neuen Namen zugelegt hat: Künftig wird es in Gomadingen anstelle von drei Vereinen also einen »SV Lautertal e.V.« geben. Bis ganz zum Schluss hat es bei diesem Akt der Verschmelzung der Gomadinger Sportvereine der Regieanweisung und des Beistands von Notar Friedrich Reisser bedurft, ehe - mit halbstündiger Verzögerung - Katrin Müller in ihrer bisherigen Doppelrolle als zweite Vorsitzende im SV Gomadingen sowie im FC Gomadingen-Dapfen, die zusammen knapp hundert Mitglieder von SVD und SVG sowie FC zur Abstimmung zugunsten eines gemeinsamen Vereins ermutigt hat. Wehmut? »Nein«, bekannte Katrin Müller. Und das, obwohl ihr »ihr« SV Gomadingen sehr am Herzen liege.
Mit »eingebautem« Veto

Denn dies sei ein »notwendiger, wenn für manchen vielleicht auch schwerer Schritt«. Alle Funktionäre hätten bei den seit über einem Jahr intensiv geführten Verhandlungen dieselben »Ängste, Sorgen, Spannungen und Hoffnungen durchlaufen, wie jetzt Ihr«. Sie aber könne nun mit gutem Gewissen für ein großes Ganzes werben. Der Wandel sei notwendig, um zu überleben. »Wir sind die Ersten, aber sicher nicht die Letzten«, blickte Katrin Müller auf die Personal- und oft auch Mitgliedernot innerhalb der gesamten Vereinslandschaft.Armin Holder, bis zu dieser Stunde noch der erste Mann im 240 Mitglieder zählenden SV Dapfen (der SV Gomadingen war mit über 600 der mitgliederstärkere Verein), führte »seine« lediglich 30 Wahlberechtigten sicher durch das Prozedere der Abstimmung. Wobei diese ohne Gegenstimme oder Enthaltung für eine Verschmelzung mit dem FC ausfiel. Dasselbe dann bei Katrin Müller. Auch die 63 Abstimmungsberechtigten des SV Gomadingen entschieden sich für die Verschmelzung, die nicht nur eine sofortige Neu-Mitgliedschaft beim FC Gomadingen-Dapfen zur Folge hatte, sondern auch, dass an den FC sämtliche Vermögenswerte beider Sportvereine übergehen. Was, wenn die Mehrheit der Gomadinger nicht ebenfalls Ja gesagt hätte? Dann wäre - kraft Veto - die Entscheidung der Dapfener wieder hinfällig gewesen.

Mit Mitgliedern und Vermögen

Das finale Ja kam dann von den 26 Fußballern des FC Gomadingen-Dapfen, die sich einmütig dafür aussprachen, sowohl die »Aussteuer« von SVG und SVD als auch deren Mitglieder zu übernehmen. Dass - wie zuvor von der Vorstandschaft aller drei Vereine für den Fall der erfolgreichen Verschmelzung beschlossen - sämtliche (alte) Gremien aufgelöst werden, eine neue Satzung in Kraft tritt und der Name in »SV Lautertal e.V.« mit Sitz in Gomadingen geändert wird, bedurfte keiner geheimen Abstimmung mehr. Ebenso wenig die Wahl der Funktionäre des SV Lautertal, die Bürgermeister Klemens Betz souverän geleitet hat. Wer nicht zu Änderungen bereit sei, verliere oft, was ihm wichtig sei, gratulierte der Bürgermeister zu all den »weisen Beschlüssen«. Die freilich sind erst dann rechtskräftig, wenn auch die Eintragung des SV Lautertals im Vereinsregister erfolgt ist.
Zum neuen Verein SV Lautertal gibt es wieder einen extra Verein, der ihn fördert.

 

SV Gomadingen

Es war irgendwann im Jahr 1924 – das genaue Datum liegt heute im Dunkeln – dass in Gomadingen im Lautertal ein paar Herrschaften zusammenkamen, um einen Arbeiter-Radfahrer-Verein zu gründen. Dessen Zweck war es nun aber nicht etwa, dass man sich an hochsommerlichen Tagen auf den Drahtesel schwang, um sich im Lautertal der körperlichen Ertüchtigung zu widmen, nein, zunächst betrieb man den Radsport um einfacher und schneller zu den Festen in den Nachbarorten zu kommen. Dabei hatte der vorderste Fahrer stets eine feststehende Standarte mit der Aufschrift „Arbeiter-Radfahrer-Bund-Solidarität“ am Fahrrad. Zu dieser Disziplin gesellte sich dann vier Jahre später der Fußball hinzu und in dieser Form bestand der Verein so lange, bis aufgrund des Kriegsausbruchs alle Vereinstätigkeit zum Erliegen kam. Einen Vorstand besaß der Verein in jenen Anfangsjahren noch nicht. Erst nach der Wiederaufnahme der Vereinstätigkeit im Jahr 1948 wurde mit Gottlieb Schrade zum ersten Mal ein solcher gewählt. Im selben Jahr wurde auch wieder etabliert. 1949 kamen als weitere Disziplinen Skifahren und Leichtathletik hinzu – allesamt Sportarten, die jahrzehntelang fest in männlicher Hand waren. 1959 kam der Verein zu seinem ersten eigenen Platz, dem Sportplatz „Eiche“ mit einer Unterkunftshütte unweit der Straße in Richtung Münsingen, und in den Siebzigerjahren wurde beim Hallenbad der heutige Sportplatz angelegt.